Geschichte des Parler

Ein Haus.
Viele Geschichten.

Seit 1904 gehört unser Schulhaus zur Stadt. Was bleibt, erzählen auch die Menschen: von Tintenfässern, Klassenzimmern und einem Haus, das zur vorübergehenden Heimat wurde.

Frühe Gesamtansicht des Gymnasiums mit Vorplatz und kleiner Turnhalle rechts.
Neubau bezogen 1904 · Aufnahmejahr nicht angegeben.Frank Bareis (Archiv), Remszeitung ↗

Historisches Original bei der Quelle ansehen

Ein Klassenfoto aus den frühen Jahren. Aufnahmejahr und Fotograf sind nicht angegeben. Quelle: ostalb-online ↗

Erinnerungen an die Schulzeit

Die kleinen Dinge bleiben.

Einige Jungen auf dem alten Klassenfoto halten ihre Mützen in den Händen. Jahrzehnte später wurden solche Alltagsdinge selbst zu Ausstellungsstücken: Für das Schuljubiläum 2004 kamen von 60 Leihgebern 150 Erinnerungsstücke zusammen.

Die Firma Hägele steuerte zwei alte Schülermützen bei. Nur ihre Zipfel fehlten. Selbst beim früheren Hersteller ließen sie sich nicht mehr auftreiben. Ein kleines fehlendes Stück – und eine Geschichte, die sich weitererzählen lässt. [8]

Anderen blieb das Klassenzimmer im Gedächtnis: In der Besprechung des Jubiläumsbandes erinnert sich Rüdiger von Fritsch an die Löcher für die Tintenfässer. Weitere Beiträge erzählen von Nachkriegsklassen mit 52 Schülern. So wird aus Schulgeschichte auch eine Erinnerung daran, wie Lernen sich damals anfühlte. [9]

1904

Ankommen in der Haußmannstraße

Das Haus, das wir kennen.

Am 17. September 1904 zieht das Realgymnasium in den Neubau ein. Seine Formen greifen die Renaissance auf. Noch heute prägen die Fassade, die hohen Fenster und das Treppenhaus den Charakter unserer Schule. [3]

Blick nach oben auf die helle Steinfassade, die Figuren über dem Eingang und die Uhr im Giebel des Parler-Gymnasiums.
Das Schulhaus heute. Über dem Eingang erinnert die Inschrift an das Baujahr 1904.
Historische Versammlung vor der Turnhalle; Menschen stehen in Reihen, viele mit erhobenem Arm.
Versammlung vor der Turnhalle · Aufnahmejahr und Anlass nicht angegeben.

1933–1944

Politik und Krieg
verändern die Schule.

Zur Geschichte des Hauses gehören auch die Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft. 1933 wird die Schule in Hindenburg-Oberschule umbenannt. 1944 dient schließlich das gesamte Gebäude als Lazarett. Wo sonst gelernt wird, werden nun Verwundete versorgt. [2]

1945–1947

Wenn ein Schulhaus
zur Unterkunft wird.

Nach dem Krieg nimmt das Gebäude Flüchtlinge und Heimatvertriebene auf – darunter Menschen aus dem Sudetenland.

Das heutige Parler-Gymnasium ist damals das größte Aufnahmelager in Schwäbisch Gmünd. Viele der in der Stadt angesiedelten Vertriebenen kommen aus dem Sudetenland, besonders aus dem Raum Gablonz. Lagerleiter Hans Ehrensperger hält 32 in Gmünd angekommene Transporte fest. [4]

Zur Datierung 1945–1947

Die Schulchronik verzeichnet die Nachkriegsnutzung unter 1945. Stadtarchivar Albert Deibele nennt für das Aufnahmelager genauer den Zeitraum Januar 1946 bis Juni 1947. Die Unterbringung 1946 ist auch durch veröffentlichte Erinnerungen belegt. [2] [7] [6]

Der Unterricht findet in Ausweichquartieren in St. Ludwig an der Uferstraße und in der Klösterleschule statt. [2]

„Die Unterbringung erfolgte getrennt nach Männern und Frauen in den Klassenzimmern des Parler-Gymnasiums.“

Adolfine Mück aus Milbes im Kreis Bärn, Sudetenland, über ihre Ankunft im Herbst 1946. Zeitzeugenbericht [6]

Eine Küche für die Lager

Kartoffeln aus Bayern

Im Schulhaus wurde auch für Menschen außerhalb seiner Mauern gekocht. Käthe Czisch berichtete später, dass die Großküche der damaligen Hindenburg-Oberschule alle Lager versorgte. Doch die Lebensmittel waren knapp.

Einmal fuhren Czisch und Gabriele Martis mit einem Lastwagen nach Bayern. Sie brachten eine Ladung Kartoffeln zurück; schon das Benzin für die Fahrt war schwer zu beschaffen. Die Erinnerung macht greifbar, wie viel Einsatz die Versorgung der Menschen verlangte. [10]

1951–heute

Ein neuer Name.
Neue Möglichkeiten.

Die Chronik geht weiter – mit neuen Bildungswegen und den Menschen, die jeden Tag ins Parler kommen.

Nach den Kriegs- und Nachkriegsjahren kehrt der Schulalltag zurück. 1951 erhält die Schule den Namen Parler-Oberschule für Jungen; seit 1954 heißt sie Parler-Gymnasium.

Auch wer hier gemeinsam lernt, verändert sich: Seit 1973 besuchen Mädchen und Jungen alle Züge. Mit dem bilingualen Zug ab 2001 und der offenen Ganztagsschule ab 2012 kommen weitere Möglichkeiten hinzu. Hinter diesen Stationen stehen immer neue Schulwege, Begegnungen und eigene Erinnerungen. [2]

Eine Gruppe in Sportkleidung trägt lachend eine Person über den Schulhof; dahinter sitzen viele Zuschauerinnen und Zuschauer.
Gemeinschaft auf dem Schulhof · Aufnahmejahr und Anlass nicht angegeben.

Was uns verbindet

Geschichte bleibt.
Leben kommt dazu.

Zwischen Klassenzimmern, Treppenhaus und Schulhof entstehen jeden Tag neue Geschichten.

Das Parler in Bildern
Die Jahreszahlen im Überblick · 1189 bis heute

Die Wurzeln

Lernen gehört
zur Stadt.

1904 ist das Baujahr unseres Hauses. Die Geschichte der Gmünder Schulen beginnt schon Jahrhunderte zuvor.

1189

Ein Schulmeister in einer Urkunde

Eine Urkunde des Klosters Adelberg nennt den Gmünder Schulmeister Reinbolt. Sie belegt die mittelalterliche Schultradition der Stadt – lange vor dem heutigen Gebäude und seiner späteren Schulform. [1]

  1. 1580

    Ein Haus am Münster

    Neues Schulgebäude beim Münster, heute Stadtarchiv.

  2. 17. Jh.

    Zwei Lateinschulen

    Städtische Lateinschule und Franziskanerschule bestehen nebeneinander.

  3. 1756

    „Magnificum Gymnasium“

    Der Magistrat beschließt das Gymnasium im heutigen Schwörhaus; Franziskaner unterrichten.

  4. 1802

    Unter Württemberg

    Gmünd wird württembergisch. Damit wechselt die Schulaufsicht.

  5. 1825 / 1828

    Neue Unterrichtsräume

    Zunächst Umzug ins Waisenhaus, dann ins ehemalige Frauenkloster St. Ludwig, die heutige Klösterleschule.

  6. 1872 / 1896

    Auf dem Weg zum Realgymnasium

    Latein- und Realschule werden zum Reallyceum vereint. 1896 kommt die Oberstufe hinzu.

Stationen nach der Schulchronik [2].

Das Schulhaus im 20. Jahrhundert

1914–1944

Schule in Kriegszeiten

  1. 1914–1918

    Die Turnhalle dient als Lazarett.

  2. 1933

    Umbenennung in Hindenburg-Oberschule.

  3. 1944

    Das gesamte Gebäude wird Lazarett.

Jahresangaben nach der Schulchronik [2].

  1. 1951 / 1954

    Der Name Parler

    1951 Parler-Oberschule für Jungen; seit 1954 Parler-Gymnasium.

  2. 1973

    Gemeinsam lernen

    Mädchen und Jungen lernen nun in allen Zügen gemeinsam.

  3. 2001

    Zwei Sprachen im Unterricht

    Der bilinguale Zug startet.

  4. 2012

    Mehr Zeit in der Schule

    Das Parler wird offene Ganztagsschule.

Stationen nach der Schulchronik [2].

Quellen und Bildnachweise

Die Chronik verbindet die Schulgeschichte mit Veröffentlichungen des Stadtarchivs. Familienerinnerungen sind als solche gekennzeichnet. Recherche: 9. September 2026.

  1. Geschichte der Stadt Schwäbisch Gmünd (1984), Abschnitt zum mittelalterlichen Schulwesen. Digitalisat der Universitätsbibliothek Heidelberg; Nachweis des Schulmeisters Reinbolt 1189.
  2. Parler-Gymnasium: Geschichte. Grundlage der Schulstationen von 1580 bis 2012.
  3. Der Ostalbkreis – Kreisbeschreibung (2004), PDF. Einzug am 17. September 1904 und Neubau im Stil der Neorenaissance.
  4. Stadtarchiv: Heimatvertriebene in Schwäbisch Gmünd. Ulrich Müller, in: 850 Jahre Stadtgeschichte (2012). Lager in der Hindenburg-Oberschule und Herkunft vieler Vertriebener aus dem Sudetenland.
  5. Stadtarchiv: Die Ankunft der Heimatvertriebenen im Spiegel von Schüleraufsätzen. Sophie Reiher und Alexa Braun, 2. April 2019. Unterbringung in der Hindenburg-Oberschule und der Schenk-Kaserne.
  6. Adolfine Mück: Zeitzeugenbericht, PDF. Landesbildungsserver Baden-Württemberg, Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Stuttgart. Interview von Eva und Wilhelm Lienert (1983–1985). Erinnerung an die Vertreibung aus Milbes und die Unterbringung im Herbst 1946.
  7. Landesbildungsserver: Lagerleben, PDF, Seite 2. Aus Albert Deibele: Krieg und Kriegsende in Schwäbisch Gmünd (1954), S. 95 f. Die Quelle nennt Januar 1946 bis Juni 1947; die Schulchronik ordnet die Nachkriegsnutzung bereits 1945 zu.
  8. Ostalb-online: Erinnerungsfotos an gute Schulzeiten! Bericht zur Jubiläumsausstellung 2004: 60 Leihgeber, 150 Objekte und die Hägele-Schülermützen.
  9. Ostalb-online: Jubiläumsband und Erinnerungen. Besprechung von „Setzen, sechs?“ (2004); Erinnerungen an Tintenfasslöcher und Nachkriegsklassen.
  10. Käthe Czisch: Zeitzeugeninterview, PDF, Seite 3. Großküche und Beschaffung von Kartoffeln. Interview von Eva und Wilhelm Lienert, 1983–1985; veröffentlicht beim Landesbildungsserver Baden-Württemberg.

Fotografien

Frühe Außenansicht: Remszeitung, Bildcredit „Frank Bareis (Archiv)“. 1904 bezeichnet den Bezug des Hauses, nicht ein gesichertes Aufnahmedatum. Die hier gezeigte Fassung ohne Signet stammt aus der bereitgestellten Bildsammlung; sie wurde unverändert übernommen.

Historisches Klassenfoto: ostalb-online, genaue Datierung und Fotograf nicht genannt. Das Klassenfoto wird aus der verlinkten Quelle geladen. Die Außenansicht und die weiteren Aufnahmen vom Schulhof wurden als Bilddateien bereitgestellt und unverändert übernommen; Aufnahmejahre und Fotografen dieser Schulhofbilder sind nicht angegeben. Die heutige Fassade stammt aus der bereitgestellten Schulbildsammlung.